Farbkontraste

Der Farbe-an-sich-Kontrast

Der Farbe-an-sich-Kontrast ist der einfachste der sieben Farbkontraste. Er stellt an das Farben-sehen keine großen Ansprüche, weil zu seiner Darstellung alle Farben ungetrübt in ihrer stärksten Leuchtkraft verwendet werden können.

Gelb, Rot und Blau bringen den stärksten Farbe-an-sich-Kontrast zum Ausdruck. Zu seiner Darstellung sind mindestens drei klar voneinander abstehende Farben notwendig. Die Wirkung ist immer bunt, laut, kraftvoll und entschieden. Die Stärke der Farbe-an-sich-Kontrast-Wirkung nimmt ab, je mehr sich die verwendeten Farben von den drei Farben erster Ordnung (Rot, Gelb, Blau) entfernen.

So sind die Farben Orange, Grün, Violett schwächer in ihrem Charakter als Gelb, Rot, Blau. Die Wirkung der Farben dritter Ordnung ist noch undeutlicher. Wenn die einzelnen Farben mit schwarzen oder weißen Linien voneinander getrennt werden, treten sie noch stärker als besondere Charaktere hervor. Ihre Überstrahlungen und gegenseitigen Beeinflussungen werden dadurch weitgehend unterbunden. Jede Farbe bekommt einen realen, konkreten Wirkungswert. Wenn der Dreiklang Gelb, Rot, Blau auch den stärksten Farbe-an-sich-Kontrast enthält, so lassen sich selbstverständlich alle reinen, ungebrochenen Farben zu diesem starkfarbigen Kontrast zusammenstellen.

Der Hell-Dunkel-Kontrast

Licht und Finsternis, Hell und Dunkel als polare Kontraste sind für das menschliche Leben und die ganze Natur von großer, grundlegender Bedeutung. Für den Maler sind die Farben Weiß und Schwarz das stärkste Ausdrucksmittel für Hell und Dunkel. Schwarz und Weiß sind in ihren Wirkungen in jeder Hinsicht entgegengesetzt, zwischen beiden liegt das Reich der Grautöne und der Farben. Unser Auge ist sowohl für die Hell-Dunkel-Kontraste der Grautöne zwischen Schwarz und Weiß als auch für die Hell-Dunkel-Kontraste der reinen Farben sensibilisiert.

Der Kalt-Warm-Kontrast

Es mag befremden, aus dem optischen Empfindungsbereich der Farben eine Temperaturempfindung ablesen zu wollen. Versuche haben ergeben, daß in zwei Arbeitsräumen, von denen der eone blaugrün und der andere rotorange festrichen war, die Empfindung für Kälte oder Wärme um drei bis vier Grad differierte. In dem blaugrünen Raum empfanden die Personen eine Innentemperatur von 15 Grad Celsius als kalt, während sie sich im rotorangen Raum erst bei 11-12 Grad Celsius kalt fühlten. Das bedeutet, wissenschaftlich untersucht, daß Blaugrün den Impuls der Zirkulation dämpft, während Rotorange zu deren Aktivierung anregt.

Rotorange und Blaugrün sind die Farben mit dem stärksten Kalt-Warm-Kontrast. Rotorange oder Saturnrot ist die wärmste und Blaugrün oder Manganoxyd ist die kälteste Farbe. Die Farben Gelb, Gelborange, Orange, Rotorange, Rot und Rotviolett werden im allgemeinen als warme, und Gelbgrün, Grün, Blaugrün, Blau, Blauviolett und Violett werden als kalte Farben bezeichnet. Eine derartige Unterscheidung ist allerdings sehr irreführend, da die Wirkung einer Farbe als warm oder kalt je nach Kontrastierung mit wärmeren oder kälteren Farben variieren kann. Den Charakter der kalten und warmen Farben können wir noch auf andere Weise definieren:

Diese verschiedenen Wirkungsweisen zeigen die großen expressiven Möglichkeiten des Kalt-Warm-Kontrastes. Er ermöglicht sehr malerische Wirkungen und erzeugt eine Atmosphäre von musikalisch klingendem, unwirklichem Charakter.

Der Komplementär-Kontrast

Zwei pigmentäre Farben, die zusammengemischt ein neutrales Grauschwarz ergeben, bezeichnen wir als komplementäre Farben. Physikalisch sind zwei farbige Lichter, die miteinander gemischt weißes Licht ergeben, ebenfalls komplementär. Zwei komplementäre Farben sind ein seltsames Paar. Sie sind entgegengesetzt, fordern sich gegenseitig, steigern sich zu houml;chster Leuchtkraft im Nebeneinander und vernichten sich in der Mischung zu Grau - wie Feuer und Wasser. Es gibt immer nur eine einzige Farbe, die zu einer anderen Farbe komplementär ist.

Im Farbkreis (nach Itten) stehen sich die komplementären Farben diametral gegenüber. Diese komplementären Farbenpaare sind:

Wenn wir diese komplementären Farbenpaare zerlegen, machen wir die Feststellung, daß immer die drei Grundfarben, Gelb, Rot, Blau, in ihnen enthalten sind:

Wie die Mischung aus Gelb, Rot und Blau ein Grau ergibt, so ergeben auch zwei komplementäre Farben in ihrer Mischung Grau.

Der Simultan-Kontrast

Mit dem Simultan-Kontrast bezeichnen wir die Erscheinung, daß unser Auge zu einer gegebenen Farbe immer gleichzeitig, also simultan, die Komplementärfarbe verlangt, daß es sie selbsttätig erzeugt, wenn sie nicht gegeben ist. Diese Tatsache beweist, daß das Grundgesetz farbiger Harmonie die Erfüllung des Komplementärgesetzes in sich schließt. Die simultan erzeugte Komplementärfarbe entsteht als 'Farbempfindung im Auge des Betrachters und ist nicht real vorhanden. Sie kann nicht fotografiert werden. Der Simultan-Kontrast und der Sukzessiv-Kontrast haben vermutlich die gleiche Entstehungsursache.

Der Qualitätskontrast

Unter dem Begriff der Farbqualität verstehen wir den Reinheits- und Sättigungsgrad der Farben. Als Qualitäts-Kontrast bezeichnen wir den Gegensatz von gesättigten, leuchtenden Farben zu stumpfen, getrübten Farben. Die prismatischen Farben, welche durch die Brechung des weißen Lichts entstehen, sind Farben größter Leuchtkraft.

Farben können auf vier verschiedene Arten getrübt oder gebrochen werden. Sie reagieren sehr unterschiedlich auf die Trübungsmittel.

Der Quantitäts-Kontrast

Der Quantitäts-Kontrast bezieht sich auf das Größenverhältnis von zwei oder mehreren Farbflecken. Es ist also der Gegensatz »viel und wenig« oder »groß und klein«.

Farben können in beliebigen Fleckengrößen zueinander komponiert werden. Wir müssen uns aber fragen, welches jenes Größenverhältnis zwischen zwei oder mehreren Farben ist, von dem wir sagen können, daß es gleichgewichtig ist, daß keine der verwendeten Farben mehr hervortritt als die andere. Zwei Faktoren bestimmen die Wirkungskraft einer Farbe. Erstens ihre Leuchtkraft und zweitens ihre Fleckengröße. Um die Leucht- oder Lichtstärke, den sogenannten Lichtwert, abschätzen zu können, müssen wir die reinen Farben vor einem mitelhellen, neutralgrauen Grund miteinander vergleichen. Wir werden feststellen, daß die Lichtwerte der einzelnen Farben verschieden sind.



© 2001 A. Eckerle, E-mail: tomatoco@macnews.de, AGB